Presseschau: Bioökonomie ist mehr als ein Ersatz für fossile Rohstoffe

10.12.2019

Presseschau: Bioökonomie ist mehr als ein Ersatz für fossile Rohstoffe

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung schreibt

Lesen Sie heute das Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Michael Meister (MdB), anlässlich der Urkundenübergabe für den Innovationsraum BioBall – Bioökonomie im Ballungsraum am 05. Dezember 2019.

Sehr geehrter Herr Staatsminister Al-Wazir,

sehr geehrter Herr Professor Bayer,

sehr geehrter Herr Dr. Kreysing,

sehr verehrte Gäste!

Der Klimaschutz gehört zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Das Bundeskabinett hat daher im Oktober das umfangreiche Klimaschutzprogramm 2030 und das Klimaschutzgesetz verabschiedet. Die Bundesregierung will Deutschlands Klimaschutzziele verbindlich erreichen und baut dabei auf drei Säulen:

Die Bepreisung des klimaschädlichen CO2, das Einführen gesetzlicher Standards für mehr Innovationen und Investitionen sowie die Forschungsförderung.

Dabei fangen wir beileibe nicht bei null an. Das Bundesforschungsministerium fördert seit vielen Jahren in großem Umfang Projekte, die dem Klimaschutz dienen, insbesondere auch im Rahmen der Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030. Die im Jahr 2010 gestartete Forschungsstrategie Bioökonomie zielt auf nicht weniger ab als den Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaft. In Kürze wird das Kabinett die Folgestrategie verabschieden.

Einen wesentlichen Schwerpunkt wird die neue Bioökonomiestrategie auf die Erzeugung und Nutzung von biologischen Ressourcen und Wissen setzen. So sollen neue innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren auf nachhaltige Weise entstehen. Wie aber gelingt uns der Umstieg auf solch eine biobasierte, nachhaltige Wirtschaftsweise?

Etliche vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekte verfolgen seit vielen Jahren das Ziel, fossile Rohstoffe wie Erdöl durch biobasierte Rohstoffe zu ersetzen, die wir zu nachhaltigen Produkten verarbeiten. Pflanzen, Algen oder Mikroorganismen sind dabei unsere Lehrmeister und Helfer zugleich. Doch heutzutage geht es in der Bioökonomie längst nicht mehr nur um den Ersatz fossiler Rohstoffe. Indem wir die vielfältigen Lösungsansätze der Natur studieren und das so gewonnene biologische Wissen nutzen, können wir gänzlich neue Wege gehen.

So gibt es zum Beispiel in der belebten Natur keine Abfälle, alles wird wiederverwertet. Nach diesem Vorbild – und dem Hinzuziehen der neusten technischen Möglichkeiten – verstärken wir mit unserer neuen Bioökonomiestrategie das Streben nach einer effizienten, kreislauforientierten Nutzung von Biomasse aus Rest- und Abfallstoffen. Die Nutzung von biologischem Wissen in Produktion und Technik führt zu neuen Innovationen. Diese müssen aber auch in den Alltag der Menschen gelangen – und dazu ist eines entscheidend: Wir müssen die Menschen mitnehmen! Am besten kann dies gelingen, wenn Bioökonomie durch neue nachhaltige Produkte gleichermaßen greifbar und begreifbar wird.

Mit der Fördermaßnahme „Innovationsräume Bioökonomie“ verfolgt das Bundesforschungsministerium genau dieses Ziel: Die Bioökonomie ein Stück weit mehr in der Gesellschaft zu verankern. Die Förderinitiative dient dazu, Wissenschaftlern und Unternehmern, aber auch Vertretern von Kommunen, kreative Freiräume zu bieten. Im Rahmen eines Innovationsraums können Akteure selbstständig Pläne entwickeln, umsetzen und weitere Partner einbinden. Die Innovationsräume organisieren sich selbst und sind selbstlernende Systeme.

Die große Vielfalt an von der Bioökonomie-Community eingereichten Projektideen zeigt, dass wir mit der Idee von Innovationsräumen richtig liegen. Von ursprünglich 38 Bewerberkonsortien wurden in einem ersten Schritt 14 dazu aufgefordert, ihre eingereichten Skizzen zu Konzepten auszuarbeiten. Aus diesen 14 Konzepten wählte das Forschungsministerium dann im März vier Innovationsräume aus – darunter BioBall: Bioökonomie im Ballungsraum.

Das BMBF stellt BioBall innerhalb von fünf Jahren bis zu 20 Millionen Euro zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist, dass das Konsortium private Mittel einwirbt, so dass ein Anreiz entsteht, auch Industrie und Unternehmen an Bord zu holen. So soll die Förderaktivität nicht nur einen Freiraum für kreative Forschung schaffen, sondern auch für daraus entstehende Innovationen.

Was erhoffen wir uns weiter vom Innovationsraum BioBall? Regional angepasste Lösungen sind ein wichtiges Ziel der Bioökonomie-Strategie. Ob die norddeutsche Küste, die bayerischen Voralpen oder eben die Rhein/Main-Region: Ein wesentlicher Schlüssel für den Erfolg der Bioökonomie liegt in passgenauen Lösungen. Der Blick von BioBall richtet sich auf die dicht besiedelte und industrialisierte Rhein/Main-Metropole. Sie erwirtschaftet stolze 7 Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts.

Der Innovationsraum BioBall fokussiert richtigerweise auf dieses vorhandene industrielle Potenzial und verknüpft es mit den hohen Stoffstromvolumina des produzierenden Gewerbes im Ballungsraum. Es werden vielversprechende Impulse gesetzt, die produzierende Wirtschaft auf eine nachwachsende Rohstoffbasis umzustellen. Dabei ist es besonders im Sinne der neuen Bioökonomiestrategie, dass BioBall die stoffliche Verwertung der biogenen Stoffströme der zweiten bis vierten Generation anstrebt.

Das heißt, kein Nahrungsmittel landet als Rohstoff in der industriellen Produktion. Vielmehr wird BioBall vermeintliche Abfälle nutzen: nicht-essbare Reststoffe aus der Landwirtschaft wie etwa Stroh, organische Abfälle wie Grünschnitt aus Parks oder kohlenstoffhaltige Gase aus der industriellen Produktion, wie Synthesegas, Kohlendioxid oder Methan.

Dazu soll BioBall eine enge Vernetzung der industriellen sowie wissenschaftlichen und kommunalen Einrichtungen ermöglichen. So beschreitet der Innovationsraum nicht nur neue Wege für den Transfer von Wissen in nachhaltige Innovationen. Sie eröffnet auch neue Perspektiven, den Wohlstand der Region zu sichern und zugleich Umwelt und Klima zu schützen.

Zum Start von BioBall freue ich mich, gleich Förderurkunden an fünf Institutionen übergeben zu dürfen: Ihnen – Herr Professor Bayer und der Provadis Hochschule – für das Koordinationsprojekt OrgaBioBall. Sie haben die Aufgabe, alle im Rahmen von BioBall geförderten Vorhaben zu einem Innovationsbündnis zusammenzuführen. Darüber hinaus müssen neue, sich im Rahmen von BioBall zusammenfindende Verbünde bewertet werden, um diejenigen, die am besten zu den Zielen von BioBall passen, zur Förderung vorzuschlagen.

Bei dieser Bewertung werden Sie unterstützt vom Begleitverbund TransRegBio, der in diesem Jahr mit vier Teilprojekten startet. Ich werde daher weitere Förderurkunden an die Verbundkoordinatorin, Frau Professorin Schebek von der Technischen Universität Darmstadt, an Frau Dr. Rübberdt von der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V., an Herrn Professor Schaldach von der Universität Kassel und an Herrn Dr. Kastner von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung übergeben.

Sie alle werden gemeinsam Modelle, Werkzeuge und Konzepte für die Bioökonomie entwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse werden genutzt, um die Forschungs-, Entwicklungs- und Innovations-Projekte des Innovationsraums BioBall wissenschaftlich zu begleiten. Ich begrüße insbesondere den in BioBall geplanten aktiven Technologietransfer, mit dem Sie die Ergebnisse der technisch-wissenschaftlichen Projekte schneller verwerten können. So wird auch für die Menschen in der Region greifbar, was Bioökonomie bedeutet.

Ich wünsche Ihnen bei Ihrer Zusammenarbeit viel Erfolg!

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung, www.bmbf.de

Lesen Sie den Beitrag im Original auf der Seite des BMBF:

https://www.bmbf.de/de/biooekonomie-ist-mehr-als-ein-ersatz-fuer-fossile-rohstoffe-10377.html

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